Tag Archiv für Tod

In Facebook sterben oder vorher austreten?

Den Artikel “Verstorben in Facebook” fand ich sehr interessant, weil sich daran zeigt, an was man alles denken muss, wenn man eine neue Sache anfängt. Aber nimmt man die Leute eigentlich noch ernst, wenn diese Folgen diskutiert werden? Jeder ist doch selbst verantwortlich für seinen Auftritt, egal wo. Und wenn ich einem Verein oder einer Partei beitrete und ich habe es nicht rechtzeitig vor meinem Ableben geschafft die Mitgliedschaft zu beenden, wer meldet mich dann nach meinem Tod ab?

Da finde ich doch einen anderen Artikel “Ich habe auf einmal sehr viel Zeit”: Katharina sagt den Netzwerken tschüss aus jetzt.sueddeutsche.de insofern ganz bemerkenswert, weil hier auch eine andere Seite der Netzwerke diskutiert wird. Katharina hat mit einem Klick alle ihre Identitäten in den Netzwerken gelöscht. Sie begründet es mit “Ermüdungserscheinungen”. Und Sie hat natürlich Recht, wenn sie sagt, dass sie “auf einmal sehr viel Zeit” hat. Ihre Motivation hingegen, in den Netzwerken Mitglied geworden zu sein, ist das Problem, dass letztlich zu ihrem Austritt führt: Weil alle drin sind, muss ich auch reingehen! Als Dauermotivation ist das zu wenig und Beziehungen kann man so auch nicht pflegen.

Und ich denke, dass die sozialen Netzwerke auch nicht für jeden der richtige Weg ist, seine Kontakte zu gestalten. Auch früher haben verschiedene Menschen unterschiedliche Medien und Kommunikationsmöglichkeiten genutzt. Nicht alle haben Briefe geschrieben und jeder telefonierte gerne.

Also ich werde den Netzwerken rechtzeitig vor meinem Tod tschüss sagen oder noch besser: ich könnte auch in den Netzwerken tschüss sagen. Wo erreicht man sonst so viele Leute mit so wenig Aufwand? Hoffentlich schaffe ich es, dann noch rechtzeitig meinen Account zu löschen.

Ich möchte auf jeden Fall nicht auf dem 1. deutschen virtuellen Internet-Friedhof enden mit virtuellen Gräbern und Kondolenzbüchern. Oder ist das jetzt die neue Wirklichkeit von “ewigen Leben”?

Verstorben in facebook?

Mit der immer größeren Beliebtheit sozialer Netzwerke, entstehen auch Probleme, die von den Betreibern zunächst einmal nicht angedacht war: Was passiert eigentlich mit den Accounts von Usern, die verstorben sind? In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird dieser nicht uninteressanten Frage nachgegangen. Allerdings wurde die Fantasie des Artikelverfassers wohl etwas zu sehr angeregt, wenn er sich darüber Gedanken macht, ob es für die Witwe eines Verstorbenen nicht tröstend sein könnte, unter der Identität ihres verstorbenen Mannes dessen Part im Online-Spiel “World of Warcraft” weiterzuspielen.

Auch der Onlinedienst “lastmessage” versucht mit folgender Ankündigung makabre Geschäfte zu machen:
“lastmessage übernimmt für Sie folgende Aufgaben: Benachrichtigung all Ihrer Online-Kontakte (zum Beispiel Freunde, Chatpartner, Geschäftspartner, etc…) in Ihren sozialen Netzwerken über Ihr Versterben. Damit die Empfänger die Nachricht zuordnen können und zum Datenschutz der Empfänger übermittelt lastmessage die Nachricht sogar direkt aus Ihrem jew. Benutzerprofil heraus.”

49 Euro für 3 soziale Netzwerke kostet die Verbreitung des eigenen Ablebens. Nun denn.