Tag Archiv für internet

Nur naiv, oder doch verrückt?

Eine Warnung vorweg: der folgende Artikel könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.
Realitätsfremde Ideen im Hinblick auf das Internet und die Überwachung seiner Nutzer sind ganz offensichtlich nicht nur Steckenpferd deutscher Politiker, auch die Italiener teilen aus. Hier wird ein Ruf nach einer weitreichenden, nein, eher allumfassenden Überwachung des Internetdatenverkehrs laut, zu deren Durchsetzung eine virtuelle Blackbox eingesetzt werden soll, die zunächst erst mal alles speichert und im Fall des Falles geöffnet werden kann, um die Protokolle einzusehen. Natürlich, als Grund für derartige Spionagephantasien muss wieder Pädophilie herhalten.

Hierbei sollen die “Surfbewegungen sämtlicher EU-Bürger” überwacht werden, schreibt SpOn im Artikel. Na, kleine Brötchen backt Herr Motti hier wahrlich nicht. Naivität und eine gewissen Entfernung von der Realität muss er sich aber gefallen lassen, wird er doch mit den Worten:

“Wie eine Black Box in einem Flugzeug nur nach einem Unfall geöffnet wird, würden auch die von Logbox aufgezeichneten Daten nur im Falle wirklicher Notwendigkeit entschlüsselt.”

zitiert. Und, um dem Ganzen die Krone des Unsinns aufzusetzen, müsste auf jedem (!) Gerät mit Internetzugang eine Software installiert werden, die die entsprechenden Daten mitliest und speichert, so der Vorschlag von Herrn Motti. Und wir regen uns über den Staatstrojaner auf…wenn dieser schon Funktionen besitzt, von denen die Behörden nicht einmal wussten, dann ist schwerlich anzunehmen, dass Strafverfolgungsbehörden nur in Einzelfällen auf solche Daten zugreifen würden (Stichwort: “wirkliche Notwendigkeit”).

“Wir wollen die anständigen Bürger in der EU schützen”

heißt es weiter. Ja, is´klar. Klingt ein wenig nach der Bild-Zeitung, die gern mal Straftätern und anderen auf die schiefe Bahn Geratenen (gern auch Verdächtigen, deren Schuld in keinster Weise bewiesen ist), diverse Grund-, Bürger- und wahlweise auch Menschenrechte aberkennen und sie pauschal zu Monstern erklären. Wie anständig kann es bitte sein, tiefgreifend in die Privatsphäre aller (!) Bürger der EU (das sind mit ca. 500 Millionen ja auch lächerlich wenige, verglichen mit facebooks Nutzerzahlen) eingreifen zu wollen, um in Fällen “wirklicher Notwendigkeit” eingreifen zu können. Solche eine pauschale Datenspeicherung wird facebook & Co. vorgeworfen und plötzlich soll genau dasselbe zum Schutz der Bürger sinnvoll sein?

Mal ganz abgesehen davon, dass es wahrscheinlich nicht einmal einen Tag dauern würde, bis findige Aktivisten einen Hack für die Schnüffelsoftware entwickelt hätten…

Die spinnen, die Rö…ähhh, Italiener.

Internet-Sucht…was heißt das eigentlich?

Diese Zahl hat mich erschreckt: 560.000 Deutsche sollen internetsüchtig sein. Doch gemach, kann von einer “Internetsucht” überhaupt die Rede sein, wo doch quasi im gleichen Satz Soziale Netzwerke, Online-Spiele, Chatrooms, Blogs und alle anderen Ausprägungen des Netzes in die Aussage miteinbezogen werden? Auch die taz stellt die Frage:

Doch vom Internet an sich süchtig sein? Wie soll das gehen? Das Internet wird ja erst durch alles gefüllt, was den Menschen ausmacht. Es mag sein, dass das Internet als Katalysator für vorhandene Süchte gelten kann, oder eine Sucht dort erst beginnt. Aber es ist nichts anderes als das Leben in Digital.

Das ist wahrlich ein spannender Punkt, denn wenn die Aktivitäten, die Suchtcharakter annehmen können, unterschiedliche sind und nur gemein haben, dass sie sich online abspielen, scheint “Internetsucht” in der Tat der falsche Terminus zu sein. Interessant finde ich auch die Verwendung des Wortes “Internetgebrauch” (zum eingesetzten Fragenkatalog geht´s u.a. hier), da dieser “Gebrauch” des Internets ja in den allermeisten Fällen nicht um des Netzes willen, sondern aus anderen Gründen geschieht. Die Fragen sind aus meiner Sicht missverständlich und teils nicht treffend formuliert. Wenn ich z.B. den Großteil meiner Zeit spielend im Netz verbingen, gehen die Fragen am Kern vorbei.

Exemplarisch seien mal die folgenden Fragen herausgepickt:

5. Wie häufig schlafen Sie zu wenig wegen des Internets?
So könnte ich die Frage nicht beantworten, denn wenn mich ein Online-Spiel fesselt, so dass ich die Nacht durchspiele (was früher durchaus vorgekommen ist), dann ist es eben das Spiel, das fesselt, nicht das Netz. Gleiches könnte mir mit einem Offline-Spiel passieren (ich erinnere mich daran, wie ich nächtelang “Baldur´s Gate” gespielt habe, komplett offline).

6. Wie häufig denken Sie an das Internet, auch wenn Sie gerade nicht online sind?
Gleiche Sache, ans Internet denke ich ganz sicher nicht, wenn mich ein Spiel so gepackt hat, dass ich es kaum erwarten kann, weiterzuspielen. Dass “Battlefield – Bad Company 2″ über das Internet gespielt wird, fällt mir nur dann auf, wenn mein Modem streikt. Oder wenn ich beispielsweise unbedingt “Assassin´s Creed 2″ weiterspielen möchte, das zufällig eine permanenten Verbindung zum Internet erfordert…kümmert es mich dann, dass ich gerade online bin? Denke ich dann daran, dass ich zum Spielen online sein muss?

Naja, vielleicht überinterpretiere ich das Ganze auch, aber ein wenig mehr Differenzierung würde ich mir wünschen. Ich bin tagsüber arbeitsbedingt durchgehend online, zu Hause meist auch eine ganze Weile, nutze rege einen ganzen Haufen von Social Media-Plattformen, spiele online, kaufe dort ein und erledige meine Bankgeschäfte…dennoch bin ich, wenn ich diversen Tests glauben darf, nicht von Online-Sucht befallen.

Interessieren würde mich Forschung zu den konkreten Mechanismen, durch die Spieler abhängig von ihren Spielen werden. Dass diese im Internet funktionieren und auf Kommunikation und Interaktion setzen, ist nur ein Faktor von vielen, nicht unbedingt der ausschlaggebende. Leider wird es oftmals so dargestellt, als ließe sich das Geheimnis des Suchtcharakters eines Spiels zum Großteil auf dessen Onlinecharakter zurückführen, was in meinen Augen deutlich zu kurz greift. Wenn ich daran zurückdenke, wie intensiv und über Jahre hinweg ich seinerzeit “Diablo II” gespielt habe, offline und ganz allein. Als ich dann eine Internet-Flat hatte, habe ich auch online viel gespielt, doch am Suchtcharakter dieses einen besonderen Spiels hat das nichts geändert. Aber das ist nur meine persönliche Sichtweise.

Ansonsten sehen wir uns online. Wo sonst.

Gibt es eigentlich noch sowas wie Datenschutz?

Sagt Ihnen das “Echelon”-Projekt etwas? Nicht? Dann schauen Sie doch mal hier, was für eine tolle Möglichkeit zum Abhören von Kommunikationswegen das ist. Echelon erlaubt es, Gespräche am Telefon auf Computerbasis abzuhören, automatisch Wörter zu erkennen, Stimmen zu identifizieren und sogar ganze Sachverhalte zu erkennen. Großartig, oder? Und wir in Deutschland regen uns über die Vorratsdatenspeicherung auf, wie mittelalterlich.

Besonders interessant an der Debatte um Datensammlung und Datenschutz finde ich die Tatsache, dass stets Plattformen wie facebook im Zentrum der Kritik stehen, als “Datenkrake” und ähnliches beschimpft werden, wo man sich diesen Netzwerken doch zumindest (aktiv) verweigern kann. Anders sieht es zum Beispiel bei der Volkszählung aus, wo jeder ausgwählte Bürger wahrheitsgemäß antworten muss (!) und nicht wie im Kontext eines Sozialen Netzwerks zum eigenen Schutz falsche Angaben machen darf (oder nicht darf, siehe facebook AGB, dies aber trotzdem ungestraft tun kann). Hier stellt sich, entgegen der Behauptungen vonseiten des Staates, dass natürlich alles sicher sei, die Frage, was passieren würde, wenn die erfassten Daten in falsche Hände geraten.

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Es war einmal: Netzneutralität

iPhone-Nutzer kennen das bereits: Wenn Sie über einen Anbieter wie Skype telefonieren möchten, entstehen trotz Flatrate beim Provider Zusatzkosten. Es ist also nicht egal, welche Webdienstleistungen man mit seinem internetfähigen Telefon in Anspruch nimmt. Von daher existiert die “Netzneutralität” auch derzeit nicht überall. Wer diesen Begriff noch nie gehört hart, hier eine Definition:

“Der Begriff Netzneutralität bezeichnet die neutrale Übermittlung von Daten im Internet, das bedeutet eine gleichberechtigte Übertragung aller Datenpakete unabhängig davon, woher diese stammen, welchen Inhalt sie haben oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben.” (Quelle)

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“Digital Natives” oder “Digital Naives”?

“Digital Natives” (etwa: “digitale Ureinwohner”) ist ein Begriff, der für jene (junge) Bevölkerungsgruppe verwendet wird, die quasi von Kindesbeinen an mit dem Internet aufwächst. Dieser Definition nach bin ich kein Digital Native, obowohl ich mich so fühle. Ich kann mich noch an eine Zeit ohne Internet erinnern und an die ersten Gehversuche mit analogen Modems, lange bevor es das Internet in seiner heutigen Form und Breitbandanschlüsse für jedermann gab.

Ich erwarte von Ureinwohnern eines Gebiets, dass sie sich dort nicht nur bestens auskennen, sondern auch um Gefahren wissen, die in der direkten Umgebung lauern. An diesem Punkt scheinen sich “Natives” und “Digital Natives” ein wenig zu unterscheiden, wie auch im Artikel auf heise.de zu lesen ist. Dabei wird eine Studie von McAfee, Hersteller von Anti-Viren-Software, zitiert, in der 13- bis 17-Jährige US-Jugendliche befragt wurden. Derartige Studien scheinen gerade in Mode zu sein, vergleichen Sie auch hier.

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Jugendschutz im Netz oder “Sisysphos 2.0″

Jugenschutz muss selbstverständlich gerade im weltweiten Netz ernst genommen werden, wenngleich dies mitunter in eine wahre Sisyphosarbeit mündet.

Die Maßnahmen, die jugendschutz.net ergreift, können dabei natürlich nur ein Anfang sein:

jugendschutz.net geht Hinweisen auf Verstöße im Internet nach, die von Usern über die Hotline gemeldet werden, recherchiert wichtige Problemfelder (z. B. Rechtsextremismus, Gewalt) und beobachtet Dienste, die bei Jugendlichen besonders beliebt sind.

Bereits anhand dieser Aussage lässt sich das eigentliche Problem erkennen: problematische Inhalte liegen meist nicht offen herum oder sind ohne weiteres für jeden sichtbar. Organisationen, die Jugendschutz im Netz betreiben, sind häufig auf Meldungen rechtswidriger oder jugendgefährdender Inhalte angewiesen. Die eigene Recherche kann sich oft nur auf bekannte Plattformen beschränken, diese stellen aber verglichen mit der Weite des Netzes nur Randerscheinungen dar. jugendschutz.net hat jetzt den Bericht “Jugendschutz im Netz 2009″ vorgelegt, ein interessantes Dokument, welches Interessierten viele Informationen und Anhaltspunkte für eigene Tätigkeiten im Hinblick auf den Jugendschutz bietet.

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Lesenwertes zum Thema Datenschutz

Das “Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein” stellt eine sehr informative und nett aufgemachte Broschüre zum kostenlosen Download bereit.

Die knapp 4 MB große Broschüre mit dem Titel “Entscheide Du, sonst tun es andere für Dich! Gedanken und Fakten zum Thema Datenschutz” bietet viele nützliche Tipps zum Umgang mit den eigenen Daten im Netz, nicht nur für Kinder und Jugendliche. Auf der Seite des ULD finden sich darüber hinaus noch viele weiter Dokumente und Informationen rund um den Datenschutz.

Lesetipp!

Schwarz-Gelb und das Netz

Einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht Spiegel Online heute. Die Schwarz-Gelbe Koalition scheint sich intensiver und wirklichkeitsnäher mit dem Netz auseinanderzusetzen als die Vorgängerregierung.

Der Artikel beginnt mit den Worten:

Schwarz-Gelb, das kann man nach einer gründlichen Durchsicht des Koalitionsvertrages sagen, ist dem Netz deutlich näher als Schwarz-Rot es war.

Beispielsweise werden Kritikpunkte wie Vorratsdatenspeicherung oder Netzsperren deutlich kritischer und realistischer beurteilt, so dass davon auszugehen ist, dass man nach tatsächlichen Lösungen statt nur nach populistischen Spielereien sucht.

So heisst es dort in Bezug auf Änderungen am Bundesdatenschutzgesetz (BDSG):

Auch das Bundesdatenschutzgesetz will man verändern – es soll “unter Berücksichtigung der europäischen Rechtsentwicklung lesbarer und verständlicher” werden und “zukunftsfest und technikneutral” ausgestaltet werden.

Ein Satz scheint klar auf eine Bevorzugung sogenannter Opt-In- statt Opt-Out-Lösungen zu zielen: “Die Einwilligung ist eine wesentliche Säule des informationellen Selbstbestimmungsrechts.” Weitergabe von persönlichen Daten soll also generell von der expliziten Zustimmung des Nutzers abhängen. Ob das bedeutet, dass die eben erst beschlossenen Änderungen im Datenschutzgesetz noch verschärft werden sollen, bleibt abzuwarten.

Es sind also in dieser Legislaturperiode einige Änderungen zu erwarten, wobei die Grundfesten des BDSG wohl unberührt bleiben werden. Sicher wäre eine bessere “Lesbarkeit” sinnvoll, denn einige Passagen des BDSG sind nur mit entsprechendem rechtlichen Hintergrundwissen verständlich.

Linktipp: Der beranet-Datenschutzassistent zum Erstellen Ihres öffentlichen Verfahrensverzeichnisses.

Handy vs. DSL 1:0

Wer hätte das gedacht? Noch in diesem Jahr wird die mobile Internetnutzung bspw. via Handy die bislang dominierenden Festnetzanschlüsse überholt haben.  Zwar seien mobile Anschlüsse noch immer wesentlich langsamer als konventionelle Breitbandlösungen, aber gerade die flächendeckende Verfügbarkeit von Mobilfunk sei für den Siegeszug des mobilen Netzes verantwortlich.

Spannende Entwicklung, besonders für die Entwickler von Softwarelösungen. Offenbar lohnt es sich, direkt auf Mobiltelefone zugeschnittene Applikationen zu veröffentlichen, die sich genau an den Bedürfnissen derjenigen orientieren, die ein recht langsames Netz und nur einen kleinen Bildschirm haben.

Vielleicht heisst es also demnächst: Vorhang auf für “beranet.mobile”?

Social Networks

Also ich bin ja nur bei Xing. Viele meiner Freunde und Kollegen hingegen haben Profile in weiteren Social Network-Plattformen wie Facebook oder StudiVZ. Diese Namen sind im Netz in aller Munde. Wenn Sie davon noch nie gehört haben, sind Sie höchstwahrscheinlich kein Nutzer von Sozialen Netzwerken im Internet. Mittlerweile gibt es hunderte dieser virtuellen Gemeinschaften, teilweise auch zu höchst skurrilen Themen.

Was genau verbirgt sich hinter einem “Sozialen Netzwerk”?

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