Das Gemeine am Gemeinten

Kommunikation, und in erster Linie die Sprache in Wort oder Schrift, bildet die Basis einer jeden Beratung. Wenn Berater und Klient sich nicht austauschen, kann keine Beratung stattfinden. Doch die Sprache kann auch ein Hindernis sein. Denn besonders in emotionalen Situationen, fällt es schwer, die passenden Worte zu finden und seine Gefühle und Gedanken genau so wiederzugeben, wie sie sich anfühlen.

Der Leiter der Telefonseelsorge Hagen-Mark, Dr. Stefan Schumacher, begründet das damit, dass man die Komplexität der Welt bei der Wiedergabe durch die Sprache automatisch vereinfacht und auch vereinfachen muss. Denn die Welt in all ihren Facetten zu beschreiben, ist uns Menschen nicht möglich. Deshalb sagt er:

„[Die Sprache] bildet die Oberflächenstruktur einer Mitteilung, die uns der/die Ratsuchende macht. Darunter verbergen sich die „tatsächlich gemeinten“ Aussagen in einer Tiefenstruktur.“ http://www.e-beratungsjournal.net

Das tatsächlich Gemeinte herauszufinden, fordert Beraterinnen und Berater jeden Tag auf’s Neue heraus, ist aber unerlässlich für eine gute Beratung. Je besser ein Berater hinter die Fassade blickt, desto effektiver verläuft die Beratung. Denn nur so kann, wie Schumacher berichtet, herausgefunden werden,…

„an welchen Stellen blinde Flecken, ungenutzte Ressourcen oder unberücksichtigte Perspektiven schlummern.“ http://www.e-beratungsjournal.net

In der Online-Beratung ist dies umso wichtiger, weil Gestik und Mimik sowie Tonfall, die sonst Hinweise auf das tatsächlich Gemeinte geben, wegfallen. Andererseits kann der Berater durch die Schriftlichkeit (->„Schreiben hilft!“) bestimmte verzerrende Phrasen leichter identifizieren und dem Klienten direkt vor Augen führen. Aus „alle denken, ich bin doof“, wird dann schnell ein differenzierteres „Lehrer X hat einmal gesagt, ich bin in Mathe eine Null“, an dem man ansetzen kann.

Wie praktisch wäre doch ein Programm, das in der Mailberatung automatisch verallgemeinernde und verzerrende Formulierungen markiert – und dem Berater am besten gleich eine konkretisierende Frage vorschlägt. Machbar wär’s. Was meinen Sie?

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