Schreiben hilft!

Ohne Selbstreflexion geht es in der Beratung nicht. Klienten, die schlecht oder gar nicht fähig sind, ihre Situation und ihre Gedanken zu reflektieren, werden ihre Probleme kaum in den Griff bekommen. Und auch für den Berater ist es schwierig, eine erfolgversprechende Beratung durchzuführen, wenn das Gegenüber nicht dazu in der Lage ist, tiefer über sein Verhalten nachzudenken. Dabei ist es egal, ob man vor Ort in der Beratungsstelle sitzt oder online berät.

Sehr wohl eine Rolle spielt die Art der Beratung für die Befähigung zur Selbstreflexion. Hier ist die Online-Beratung gegenüber dem Face-to-face-Klassiker im Vorteil. Denn egal ob Chat oder Mail-Beratung, bewirkt die Online-Beratung durch die Zeitverzögerung der Antworten eine Entschleunigung. Dieser Effekt wirkt bei der Mail-Beratung am stärksten, da eine Reaktion nicht Sekunden später, sondern erst bis zu mehreren Stunden oder Tagen später erwartet wird.

Dadurch, dass Klient und Berater ihre Gedanken niederschreiben müssen, geschieht automatisch ein Nachlesen und ein Ordnen des Geschriebenen. Das kennen wir alle von uns selbst: Erzählen Sie doch mal aus dem Stehgreif einem Fremden, wer Sie sind und was Sie ausmacht. Halten Sie das alternativ schriftlich in einem Word-Dokument fest. Bei der schriftlichen Ausarbeitung werden Sie sich in jedem Fall viel mehr Zeit lassen, zu überlegen, was Sie schreiben und den ein oder anderen Satz überdenken und umformulieren. Dabei sortieren Sie ganz nebenbei Ihre wichtigsten Anliegen und streichen Nebensächliches. Im Gespräch verfransen Sie sich vermutlich viel schneller in Nebenschauplätzen.

Die Schriftlichkeit ermöglicht es auch, dass der Klient oder die Klientin das Geschriebene zu einem fortgeschrittenen Beratungsprozess noch einmal lesen und sich besser vor Augen führen kann, wie und warum er oder sie früher so gedacht oder gehandelt hat und wie die momentane Situation aussieht. So entstehen bei der Online-Beratung häufiger Momente, in denen der Klient zur Selbsterkenntnis kommt, wie Klaus Fieseler und Karin Hentschel bestätigen:

In der Online-Beratung liest man durchaus Sätze von Ratsuchenden, in denen eine Selbstreflexion durch den Perspektivwechsel zu neuen Erkenntnissen bei der Auftragsklärung – aber auch an anderen Stellen im Beratungsprozess – führt, z.B.: „Wenn ich mich so lese, dann wird mir klar, dass ich meine Partnerin gar nicht ändern kann.“ http://e-beratungsjournal.net

So erleichtert Online-Beratung also die Selbstreflexion der Klienten und ermöglicht auch den Beratenden ihre Antworten durchdachter zu übermitteln.

1 Kommentar bisher »

  1. Das Gemeine am Gemeinten « BeratungsRauschen sagte

    am 20. Februar 2012 um 10:54

    [...] Gemeinte geben, wegfallen. Andererseits kann der Berater durch die Schriftlichkeit (->„Schreiben hilft!“) bestimmte verzerrende Phrasen leichter identifizieren und dem Klienten direkt vor Augen führen. [...]

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