DE-Mail-Adressen zur Kommunikation mit Ämtern

Vielleicht haben Sie schon davon gehört. Das Bundesministerium des Innern will die sogenannte “DE-Mail” einführen. Jeder Bürger soll die Möglichkeit erhalten, sich eine private Mailadresse zu sichern, die ihm die sichere und rechtsverbindliche Übersendung von z.B. amtlichen Dokumenten ermöglicht. Die Kommunikation mit Behörden soll dadurch vereinfacht und effizienter gemacht werden.

Das hört sich doch zunächst gut an:

“De-Mail wird das rechtsverbindliche und vertrauliche Versenden von Dokumenten und Nachrichten über das Internet ermöglichen. Die Identität der Kommunikationspartner sowie die Zustellung der De-Mails können nachgewiesen werden. Die Inhalte einer De-Mail können auf ihrem Weg durch das Internet nicht mitgelesen oder gar verändert werden.”

So liest sich die Beschreibung der neuen “DE-Mail”-Adressen durch das Bundesministerium des Innern, die demnächst für die Kommunikation mit z.B. Behörden eingeführt werden sollen. Hier finden Sie ein PDF mit Detailinformationen.

So heißt es im PDF-Dokument zu “DE-Mail” (siehe Link oben):

Geschäftliche oder behördliche Kommunikation, die bisher den Postweg erforderte, können Sie mit De-Mail einfacher, schneller und von jedem beliebigen Ort aus vollständig elektronisch erledigen. Öffnungszeiten spielen keine Rolle, in den Warteschlangen stehen andere. Dadurch sparen Sie Zeit und natürlich auch Geld.

Es ist kaum anzunehmen, dass die Bearbeitung von digital eingegangenen Antragsformularen schneller vonstatten geht als die herkömmlicher Papierformulare. Ohne zu unken ist vielmehr davon auszugehen, dass die digital übersandten Dokumente ausgedruckt und dann weiter in Papierform bearbeitet werden, was wiederum Mehrkosten verursacht. Wenn durch die digitale Übermittlung mehr Anträge, Anfragen etc. bei den Behörden eingehen sollten, würden sich mit Sicherheit auch die Bearbeitungsfristen verlängern. Eventuell fördert DE-Mail die Benachteiligung der Bevölkerungsgruppen, die diesen Dienst nicht nutzen können oder wollen. …”in den Warteschlangen stehen andere”, ja wer denn? Die Alten und die Nicht-Netznutzer?

Und das mit dem “Geldsparen” ist auch so eine Sache, wie bei Heise zu lesen ist:

Die Gebühr für eine einfache De-Mail dürfte bei 15 Cent liegen. Höhere Gebühren sind möglich, wenn es  sich um kompliziertere Behördenvorgänge handelt. Dies betrifft beispielsweise Behördenbescheide und  Zahlungsaufforderungen, gegen die ein Bürger Einspruch erhebt, der nach derzeitigem Recht auf dem  Papierweg erfolgen muss.

Auch die versprochene Sicherheit kann nur eine relative sein (siehe PDF-Dokument oben).

Die regelmäßige Anmeldung zur Nutzung von De-Mail kann über Nutzername/Passwort, über den neuen Personalausweis, mobiltelefonbasierte Verfahren (mobile TAN) oder andere sichere Verfahren erfolgen. De-Mail ist damit so einfach wie die E-Mail und so sicher wie die Papierpost.

Die spannende Frage wird sein, welche Sicherheitslücken das System aufweist. Solange Nutzer sich mit selbst festgelegten Namen und Passwörtern oder über die Eingabe von TANs anmelden, im Zeitalter von Handyviren, Trojanern, Phishing etc. kann von einer Kommunikation “so sicher wie die Papierpost” kaum die Rede sein. Wobei natürlich auch Papierpost nicht absolut sicher ist: Wer garantiert mir, dass niemand meinen Brief öffnet, den Inhalt liest, und ihn dann wieder verschließt?

DE-Mail ist ein ambitioniertes Projekt. Bleibt abzuwarten, ob es die hohen Erwartungen zu erfüllen vermag.



1 Kommentar bisher »

  1. opolis sagte

    am 3. August 2010 um 20:11

    DE-Mail: Was es alles kann – und auch nicht …

    Es gibt schon länger Alternativen, so wie etwa Opolis Secure Mail (http://www.opolis.eu), die mehr können, global anwendbar sind und auch noch gratis sind …

    Ausserdem: Bei Opolis entscheidet der Absender, was der Empfänger mit der Nachricht machen darf (weiterleiten, kopieren, ausdrucken)

    Interessanter Artikel:
    http://www.prlog.org/10834702

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