Archiv für März, 2012

Teil II/IV: Die „Erwerbstätige Medienpragmatikerin“

Wie der Name schon sagt, steht dieser Typ von Klient mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Er oder sie ist gut ausgebildet und hat schon so seine Erfahrungen in der Welt gemacht. Entgegen dem Klischee, ist der Erwerbstätige Medienpragmatiker weder jung, noch technikaffin. Er ist dem Jugendalter schon lange entwachsen und sieht Technik und Internet lediglich als „Mittel zum Zweck“. Die Pragmatiker hätten auch keine Scheu, eine Beratungsstelle aufzusuchen, wenn sie die Zeit dazu hätten.

Dementsprechend sind auch die Erwartungen an die Online-Beratung völlig andere, als die der anderen Kliententypen. Dr. Marc Weinhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft und Begründer der Kliententypen, beschreibt diese so:

Zeitliche Flexibilität und die Geschwindigkeit des Mediums sind ihnen im Unterschied zu den anderen KlientInnentypen am wichtigsten.[…]Sie finden E-Mail-Beratung praktisch, weil der Zwang nach terminlichen Absprachen entfällt. http://e-beratungsjournal.net

Und auch die Anliegen, mit denen Erwerbstätige Medienpragmatikerinnen sich an die Berater wenden, unterscheiden sich: Eine voll berufstätige Mittdreißigerin, vielleicht alleinerziehend mit zwei Kindern und Einfamilienhaus, hat eben andere Sorgen, als eine 13-jährige Hauptschülerin. Weinhardt beschreibt sie grob als „komplexe soziale Problemlagen“.

Genauso unterschiedlich erfolgt dann auch die Beratung. Denn die Erwerbstätige Medienpragmatikerin bringt schon einen über die Jahre gut gefüllten Rucksack an Erfahrungen und verwobenen Problemen mit, den es auszupacken gilt. Hier hat der Berater ganz andere Ansatzmöglichkeiten und braucht vielleicht etwas länger, um die Hintergründe zu erforschen.

Haben Sie schon mal so einen Typen beraten?

(Worum geht es hier eigentlich?)

Teil I/IV: Der „Zurückgezogene DauerKlient“

Der typische Zurückgezogene DauerKlient ist Single. Generell hat er nicht viele enge Freunde und lebt eher isoliert. Er oder sie ist ein junger Erwachsener und befindet sich noch in schulischer oder beruflicher Ausbildung auf niedrigem bis mittlerem Niveau. Seine Perspektiven sind deshalb unsicher.

Unsicher beschreibt auch den wesentlichen Charakterzug dieses Kliententyps. Er oder sie hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden und lässt sich leicht von seinen Mitmenschen beeinflussen. So lassen sich vermutlich auch die wenigen sozialen Kontakte erklären. Dr. Marc Weinhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft und Begründer der Kliententypen, beschreibt den Zurückgezogenen DauerKlienten mit einer

Tendenz zum Rückzug [und einem hohen] Sicherheits- und Autonomiebedürfnis

Den Wunsch nach Kommunikation hat der Zurückgezogene DauerKlient aber sehr wohl. Dazu nutzt er das Internet intensiv als Ersatz für Live-Kontakte. Hier fühlt er sich außerdem sicher und anonym, weshalb auch die Online-Beratung für ihn interessant ist. Weinhardt vermutet, dass der DauerKlient sich wegen seiner schüchternen Art nur schwer für eine face-to-face Beratung erreichen lässt. Hier erreicht Online-Beratung also Menschen, die sonst wohl keine Hilfe in Anspruch nehmen würden bzw. könnten. Weinhardt fasst zusammen:

[Die Zurückgezogenen DauerKlientInnen] versprechen sich eine längerfristige Begleitung, in der sie im anonymen, geschützten Rahmen und außerhalb direkter persönlicher Begegnungen ihre insgesamt wohl schwierigen Lebensgeschichten verhandeln. http://e-beratungsjournal.net

Die Themen der DauerKlientInnen sind vielfältig. Weinhardt vermutet darunter als Hauptthemen die eigene „persönliche Reifung“ und „die Besprechung erlittener Kränkungen“. Wegen dieser eher unspezifischen und umfassenderen Themen erstreckt sich die Dauer der Beratung oft über einen langen Zeitraum.

Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben und erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen mit Zurückgezogenen DauerKlientInnen.

(Worum geht es hier eigentlich?)

Alles eine Frage des Typs

Online-Beratung erreicht in erster Linie genau ein Publikum: diejenigen, die online sind. Viel mehr wird über die Spezies „Online-Klient“ nicht gesagt und die Attribute „technikaffin“ und „jung“ müssen immer wieder als allgemeine Beschreibung der Zielgruppe herhalten.

Dabei brachte eine Studie der Uni Tübingen bereits vor einiger Zeit Licht ins Dunkel und beschäftigte sich damit, wer diese Online-Klienten denn nun wirklich sind. Dr. Marc Weinhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Erziehungswissenschaft, unterteilte die Klienten an Hand der Ergebnisse in vier Typen und gab ihnen so ein Gesicht. Weinhardt schließt aus der Studie:

E-Mail-Beratung hat angesichts der verschiedenen Nutzergruppen also nachweislich das Potential, als universelles Medium unterschiedliche Beratungsanlässe zu bearbeiten.

In den nächsten Wochen lesen Sie hier mehr über die vier Kliententypen. Mit Sicherheit werden Sie einige Ihrer Ratsuchenden darin wiederfinden.

Der Geruch der Online-Beratung

Kann man Online-Beratung riechen und hören? Ja und Nein. Zumindest wohl etwas weniger, als Face-to-Face Beratung. Denn bei dieser haben die Berater eine viel größere Flut an Sinneseindrücken zu bewältigen. Das hat sein Gutes, aber auch so seine Tücken.

Wenn zum Beispiel eine jugendliche Klientin mit fettigem Haar und Piercings in zerrissenen Klamotten und mit einer üblen Döner-Fahne in Ihre Beratungsstelle kommt, werden Ihnen, so professionell und objektiv Sie auch sein wollen, sofort Vorurteile in den Kopf schießen. Noch bevor die junge Frau den Mund aufmacht, haben Sie ein Bild von ihr im Kopf. Und das lässt sich nicht so leicht ändern, schon gar nicht, wenn dann auch noch die Sprache dazu passt:

Ein […] wenig beachtetes, aber durchaus wichtiges Element ist die Stimme. Klang und Stimmführung, Dialekt oder auch Sprechstörungen lösen in gleicher Weise Zu- oder Abneigung aus.

Ganz anders im Netz. Ob bei der Online-Beratung, in einem Forum oder bei Facebook. Menschen, die wir nicht kennen, können wir dort nur an Hand ihres Geschriebenen oder bewusst gewählter Fotos beurteilen. Geruch, Stimme und Outfit existieren hier nicht. Das eröffnet Chancen für eine objektivere, problemorientiertere Beratung, in der sich Berater und Klienten ganz auf das Thema konzentrieren können.

Aber auch online kann die Sprache bzw. die Schreibe eines Klienten den Berater ein Stück weit beeinflussen. Wer eine ordentliche Rechtschreibung vorweisen kann und sein Problem strukturiert und reflektierend schildert, wirkt zunächst einmal anders, als jemand, der wirr und mit Fäkalsprache alles direkt herausschreibt.

Aussagen muss das über den Klienten noch lange nichts. Klar, stimmen bestimmte Stereotypen oft mit der Realität überein – gerade Berater und Beraterinnen haben da sicher so ihre Erfahrungen. Doch Vorurteile können den eigentlichen Beratungsprozess beeinflussen und von ihm ablenken. Deshalb gilt es, so objektiv wie möglich an eine Beratung heranzugehen, dabei aber natürlich nie die Menschlichkeit außer Acht zu lassen.

Haben Sie ähnliche, oder vielleicht ganz andere, Erfahrungen in Online- und Offline-Beratung erlebt?