Archiv für Oktober, 2011

Petition fordert: Datenschutz soll Standard werden

„Ich weiß wer meine Daten hat und an wen er sie weitergibt.“ Wer das behauptet, ist entweder sehr naiv, ein dreister Lügner oder ein unbelehrbarer Optimist. Bestenfalls kann man das als hoffnungsvolle Zukunftsvision auslegen. Denn die Sammlung von personenbezogenen Daten passiert jederzeit, überall und meist unauffällig.

Der momentan wohl meist getretene, weil populärste, Datenkrake ist Facebook. Aber auch andere Online- und Offline-Dienste bereichern sich an unseren Informationen. Die einen mehr, die anderen weniger. Online-Shops, Gewinnspiele, Handys slotspie.ca sind da nur die offensichtlichsten… Wer soll da eigentlich noch durchblicken? Wer weiß schon noch, wo er sich vor fünf Jahren mal angemeldet hat, um einen Hamsterkäfig zu kaufen oder bei welcher „gemeinnützigen“ Organisation er sich zur Angabe seiner Daten hat hinreißen lassen? Besonders fies sind Dienstleistungen und Produkte, die schon so voreingestellt sind, dass sie meine Daten bereits bei der ersten Anwendung sammeln und übermitteln, ohne dass ich es mitkriege – und das ist heute leider trauriger Trend…

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat diesen kriminell anmutenden Trend erkannt und eine Petition gestartet, die das „Privacy-by-Default“ Prinzip fordert. Zu Deutsch: „Privatsphäre als Standardeinstellung“. Alle Geräte und Dienstleistungen müssten demnach von Vornherein so eingestellt sein, dass so wenig Daten wie möglich abgefasst werden. Der Benutzer muss dann selbst, sofern er es wünscht, die Funktionen aktivieren, die Datenübermittlung zur Folge haben. „Mühsam“ meinen manche, doch von dieser Regelung profitieren besonders die, die sich wenig mit Technik auskennen (wollen), meint auch vzbv-Vorstand Gerd Billen:

„Die Kontrolle über persönliche Daten darf kein Expertenprivileg sein”.

Gerade Kinder und Jugendliche sowie behinderte und ältere Menschen, die die Konsequenzen ihres Handelns schlecht einschätzen können, wären Gewinner dieser datenschutzfreundlichen Voreinstellungen. Aber selbst Technik-Experten bemängeln häufig die versteckten Sicherheitseinstellungen (z.B. das endgültige Löschen eines Facebook-Accounts). So profitieren am Ende alle:

„Viele Menschen verfügen nicht über die Fähigkeiten oder die (zeitlichen) Ressourcen, sich intensiv mit diesen Fragen (Anm.: Sicherheitseinstellungen) auseinander zu setzen.“ (Auszug Petitionstext)

Die Forderung des vzbv sieht auch die automatische Löschung inaktiver Benutzer-Accounts vor. Zwar vergisst das Netz nie, wie man so schön sagt, doch Löschen ist wohl immer noch die effektivste Eindämmung von Datendiebstahl – mal abgesehen von der (Un)Möglichkeit, seine Daten erst gar nicht preiszugeben.

Noch bis zum 4. Dezember können Sie die Petition unterschreiben, um das “Privacy-by-Default-Prinzip” zu unterstützen.

Eins ist schon jetzt klar: Die Unternehmen, die vom umfassenden Datensammeln profitieren, werden alles versuchen, die Umsetzung der Forderungen zu verhindern, denn gerade die technophoben und unbedarften Netznutzer sind die, die am leichtesten abzuschöpfen sind.

Doch es geht ja nicht darum, dass überhaupt keine Daten mehr weitergegeben werden (dann sollte man sich lieber vom Internet und der heutigen Welt verabschieden), sondern dass die Übermittlung transparenter wird und man eines Tages vielleicht wirklich sagen kann: „Ich weiß wer meine Daten hat und an wen er sie weitergibt.“

Nur naiv, oder doch verrückt?

Eine Warnung vorweg: der folgende Artikel könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.
Realitätsfremde Ideen im Hinblick auf das Internet und die Überwachung seiner Nutzer sind ganz offensichtlich nicht nur Steckenpferd deutscher Politiker, auch die Italiener teilen aus. Hier wird ein Ruf nach einer weitreichenden, nein, eher allumfassenden Überwachung des Internetdatenverkehrs laut, zu deren Durchsetzung eine virtuelle Blackbox eingesetzt werden soll, die zunächst erst mal alles speichert und im Fall des Falles geöffnet werden kann, um die Protokolle einzusehen. Natürlich, als Grund für derartige Spionagephantasien muss wieder Pädophilie herhalten.

Hierbei sollen die “Surfbewegungen sämtlicher EU-Bürger” überwacht werden, schreibt SpOn im Artikel. Na, kleine Brötchen backt Herr Motti hier wahrlich nicht. Naivität und eine gewissen Entfernung von der Realität muss er sich aber gefallen lassen, wird er doch mit den Worten:

“Wie eine Black Box in einem Flugzeug nur nach einem Unfall geöffnet wird, würden auch die von Logbox aufgezeichneten Daten nur im Falle wirklicher Notwendigkeit entschlüsselt.”

zitiert. Und, um dem Ganzen die Krone des Unsinns aufzusetzen, müsste auf jedem (!) Gerät mit Internetzugang eine Software installiert werden, die die entsprechenden Daten mitliest und speichert, so der Vorschlag von Herrn Motti. Und wir regen uns über den Staatstrojaner auf…wenn dieser schon Funktionen besitzt, von denen die Behörden nicht einmal wussten, dann ist schwerlich anzunehmen, dass Strafverfolgungsbehörden nur in Einzelfällen auf solche Daten zugreifen würden (Stichwort: “wirkliche Notwendigkeit”).

“Wir wollen die anständigen Bürger in der EU schützen”

heißt es weiter. Ja, is´klar. Klingt ein wenig nach der Bild-Zeitung, die gern mal Straftätern und anderen auf die schiefe Bahn Geratenen (gern auch Verdächtigen, deren Schuld in keinster Weise bewiesen ist), diverse Grund-, Bürger- und wahlweise auch Menschenrechte aberkennen und sie pauschal zu Monstern erklären. Wie anständig kann es bitte sein, tiefgreifend in die Privatsphäre aller (!) Bürger der EU (das sind mit ca. 500 Millionen ja auch lächerlich wenige, verglichen mit facebooks Nutzerzahlen) eingreifen zu wollen, um in Fällen “wirklicher Notwendigkeit” eingreifen zu können. Solche eine pauschale Datenspeicherung wird facebook & Co. vorgeworfen und plötzlich soll genau dasselbe zum Schutz der Bürger sinnvoll sein?

Mal ganz abgesehen davon, dass es wahrscheinlich nicht einmal einen Tag dauern würde, bis findige Aktivisten einen Hack für die Schnüffelsoftware entwickelt hätten…

Die spinnen, die Rö…ähhh, Italiener.

Der Staatstrojaner und der ganz normale Überwachungswahnsinn

Täglich überschlagen sich die Meldungen zum Staatstrojaner. Ob seine Anwendung nun legal ist, oder nicht, ob seine Technik veraltet ist und inwieweit er über verbotene Fähigkeiten verfügt, wird momentan heiß diskutiert.  Dass die Sache zu einem so großen Hype geworden ist, liegt aber sicherlich vor allem an unserem ohnehin schon gebeutelten Privatsphäre-Bedürfnis: Wir müssen nun damit rechnen, auch noch im ach so anonymen Internet und auf unseren Heim-PCs jederzeit und ohne es mitzubekommen bespitzelt zu werden. Kein gutes Gefühl!

Mich überkommt an manchen Tagen sowieso schon ein leichter Anflug von Paranoia. Beim täglichen Gang zur Arbeit filmen mich dutzende Überwachungskameras im Bus, auf dem Bahnsteig, an öffentlichen Plätzen. Zwar nehme ich sie schon gar nicht mehr bewusst wahr, doch das mulmige Gefühl, dass mich jemand „von hinter der Kamera“ beobachtet, bleibt. Wenn ich dann nachmittags beim Telefonieren mit meiner Mutter auf einmal das Gespräch anderer Leute im Hintergrund höre, fühle ich mich auch nicht gerade „privat“ – das ist zwar sicher auf eine schlechte Leitung zurückzuführen, wenn aber schon jemand ungewollt mithören kann, wird klar, wie leicht man mich gewollt abhören kann… Bei der abendlichen Gassirunde begegnet mir dann noch dreimal die Polizeistreife, die 24 Stunden in meiner Nachbarschaft ihre Kreise zieht. Danach setze ich mich noch einmal an den Computer, um meine Mails zu checken, mit der Gewissheit, dass Google Mail, Facebook & Co stets auf an meiner Seite sind. Nun gesellt sich auch noch Vater Staat in die lauschige Runde, warum auch nicht…

Fühle ich mich dadurch sicher und beschützt? Naja. Im Ernstfall sitzt niemand wirklich hinter der Kamera, um eine U-Bahn-Schlägerei live mitzubekommen und in meiner Straße brannten trotz Streife zwei Autos. In welchem Maße der Staat durch die umfassende Trojaner-Bespitzelung schlimme Verbrechen verhindert und ob das rechtfertigt, dass er die PCs aller Bürger von A bis Z manipulieren kann, weiß ich nicht.

Fühle ich mich dadurch in meinem Leben beeinträchtigt? Naja. Erwiesen ist, dass sich jeder Mensch verstellt, sobald er weiß, dass er „beobachtet“ wird. Man achtet darauf, was man tut, was man sagt und wie man sich gibt – ganz automatisch. Das Zuhause war hier noch das letzte Refugium, wo man im bequemen Jogging-Anzug unbehelligt tun und lassen konnte, was man wollte. Diese Zeiten sind nun vorbei, denn durch den Staatstrojaner ist in unser Bewusstsein gesickert, dass wir nirgendwo anonym und unbeobachtet sind. Kleiner Tipp: Deckel auf die Webcam!

Türkei vermarktet Internetzensur in Paketen

Ab Ende diesen Jahres sollen türkische Bürger nun die Wahl haben zwischen drei verschiedenen Internetpaketen: „Kinder“, „Familie“ oder „Grundpaket“. Wobei das Wort „Wahl“ hier eher als die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera zu verstehen ist. Denn, wie die taz berichtet, plant die AK-Partei um Regierungschef Erdogan, ein leicht abgewandeltes Paketangebot umzusetzen, das im Mai bereits heftige Proteste mit dem Slogan „Don‘t touch my internet“ auslöste.

Die drei Pakete sollen laut türkischer Regierung Familien und Kinder vor pornografischen oder anderen anrüchigen Internetinhalten schützen. Entsprechend einer Liste sind Teile oder ganze Webseiten im Voraus für die Anwender gesperrt – zumindest im Kinder- und Familienpaket. Das Grundpaket soll entgegen anfänglicher Pläne aber erst einmal unzensiert bleiben. Wie lange das so bleibt, ist fraglich. Denn bereits jetzt werden immer wieder regierungskritische Youtube-Inhalte oder Bloggerplattformen gesperrt. Der Internetnutzer bekommt dann eine schlichte Fehlermeldung.

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2 Klicks für den Datenschutz

Ob Facebook-Daumen, Twitter-Vögelchen oder Googles +1… Die kleinen Buttons sozialer Netzwerke finden sich mittlerweile auf fast jeder Website im Internet, die hip und interaktiv daherkommen will. Sie laden dazu ein, seine Meinung über den Inhalt einer Seite, einen Zeitungsartikel oder ein peinliches Promi-Foto beispielsweise,  mit anderen zu teilen. Doch bisher wissen wohl nur die wenigsten, was diese unscheinbaren Symbole heimlich eigentlich noch so alles tun.

Dieses Wissen ist besonders für die interessant, die bisher dachten „Wenn ich nicht bei Facebook mitmache, kann es mir auch keine Daten klauen“. Weit gefehlt! Denn, wie heise online und taz.de berichten, übermittelt eine Website, die die Buttons eingebettet hat, schon beim Laden der Seite Informationen an Facebook & Co – egal ob Sie auf den Button klicken oder überhaupt dort Mitglied sind. Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert mahnt  im Gespräch mit der taz:

“Jeder Klick auf einer Seite, wie lange ich darauf bin, für was ich mich interessiere, kann Facebook nachvollziehen”

Wie das technisch genau von statten geht, können Sie hier nachlesen und was Facebook offiziell dazu sagt, hier.

Spätestens damit ist klar, dass man nicht selbst in der Hand hat, was für Daten man an soziale Netzwerke preisgibt, es sei denn man meidet den Besuch solcher Internetseiten. Dann kann man aber auch gleich den Stecker ziehen… Die heimliche Datenabfassung dient, wer hätte das gedacht, Facebook selbst und den Partnerseiten, indem sie Informationen über User sammeln können. Und je mehr Daten über die Zeit zusammenkommen, desto leichter lassen sich umfassende User-Profile erstellen. Inwieweit die so erfassten Daten für Facebook tatsächlich nützlich oder gar einer bestimmtem Person zuzuordnen sind, ist allerdings nicht ganz klar. Fest steht aber, dass – vom Nutzer unkontrollierbar – Daten übermittelt werden.

Eine kleine Avantgarde von Webseitenbetreibern wehrt sich aber bereits gegen die automatische Datenerfassung der kleinen Buttons. Allen voran heise online. Die haben nämlich harmlose Buttons entwickelt, die der User erst anklicken muss, damit sie aktiv werden. Das heißt, der User bestimmt selbst, ob Daten an Dritte übermittelt werden sollen – ohne seine Erlaubnis passiert gar nichts. Das 2-Klick-Modell ist frei verfügbar und jede Website kann es bei sich einbinden.

Die ideale Kombination, um seinen Usern Datensicherheit zu garantieren, ohne gleichzeitig auf die Vernetzung mit Facebook & Co verzichten zu müssen!