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Onlinesucht – die dunkle Bedrohung

Dunkel ist die Bedrohung in erster Linie, weil die Forschung beim Thema Onlinesucht bisher im Dunkeln tappt. Es ist weder klar, ob Onlinesucht eine Form von Glücksspiel- oder Computerspielsucht ist, noch ob es sie überhaupt gibt. Viel wahrscheinlicher erscheint, dass Menschen, die viel im Netz unterwegs sind, andere Probleme kompensieren. Zu Recht fragt Spiegel Online-Autor Konrad Lischka:

Ist jemand, der stundenlang Onlinespiele nutzt, nun süchtig nach dem Internet oder nach Computerspielen? […] Ist jemand onlinesüchtig, wenn er zu lange mit seinen Freunden bei Facebook kommuniziert? Oder fällt unter Onlinesucht nur exzessives Onlineshoppen und Onlinepokern? Aber ist Spielsucht nicht immer Spielsucht – online wie offline? Und gibt es, analog zum übermäßigen YouTube-Konsum, vielleicht auch eine Offline-Fernsehsucht?

Egal, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans will trotzdem schon mal was tun. Sie hat eine neue „Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik” erarbeitet und will die ominöse Onlinesucht durch Prävention bekämpfen und sie als offizielles Krankheitsbild einführen.

Die etwas übermotivierte Reaktion der Drogenbeauftragten ist aber nicht ungewöhnlich. Schon oft konnte man beobachten, wie Politiker gehobenen Alters Debatten und Restriktionen zum Thema Internet oder Computerspielen angeregt haben, obwohl sie selbst wohl nicht einmal einen Facebook-Account einrichten könnten, geschweige denn schon einmal ein Computerspiel gespielt haben.

Die Onlinesucht jedoch gilt als bewiesen. Zumindest, wenn man der PINTA-Studie glauben möchte, auf die sich die Drogenbeauftragte beruft. Die Forscher haben auf Grund dieser 560000 Deutsche für onlinesüchtig erklärt. Eine Definition von Onlinesucht haben sie nicht mitgeliefert, auf Ursachenforschung wurde auch verzichtet…

Schade eigentlich. Denn das Thema ist an sich wichtig und erforschenswert. Doch mit solch vorschnellen Aktionen, die das Thema nur oberflächlich abspeisen, bewirkt man herzlich wenig.

Vielleicht entdeckt die Drogenbeauftragte ja auch bald die Sucht nach Online-Beratung?;)

Beratung nur einen Klick entfernt

Dass es Beratung auch online gibt, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Immer mehr Beratungsstellen wollen auch im Internet für ihre Klienten da sein und viele Ratsuchende holen sich lieber online als offline Hilfe. Und das aus gutem Grund.

Mehr als 73 Prozent der Deutschen sind sowieso schon online – Tendenz steigend. Dabei sind viel mehr jüngere Menschen im Netz aktiv (97%), als ältere (52,5); und mehr Männer, als Frauen. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene dominieren das Internet und verbringen pro Tag im Schnitt mehr als zwei Stunden im Netz. Da liegt es nahe, dass diese auch genau dort nach Lösungen für ihre Probleme suchen – ganz nebenbei, während man seine verpasste Lieblingsserie per Stream schaut oder sein Facebook-Profil checkt.

Mal eben bei Google nach „Alkohol Sucht Hilfe“ oder „Schwangerschaftsabbruch Beratung“ zu suchen und eine Mail abzuschicken oder in einen Gruppenchat reinzuschauen, fällt den meisten Klienten einfach leichter, als sich mühsam eine Beratungsstelle in der Nähe zu suchen, einen Termin zu machen und dann auch wirklich (!) hinzugehen. Diplom-Pädagoge Klaus Fieseler fasst zusammen:

die Ratsuchenden [sind] ohnehin im Internet mit ihren Anliegen unterwegs und man [muss] sie dort abholen. Online-Beratung – insbesondere für Jugendliche – ist niedrigschwellig und erreicht zudem Zielgruppen, die durch Beratungsstellen nicht erreicht werden (Fieseler, 2011, S. 105ff) http://e-beratungsjournal.net

Die Niedrigschwelligkeit ist deshalb einer der unschlagbaren Vorteile der Online-Beratung. Gerade Beratungsangebote, die sich an ein jüngeres Publikum richten, können hier Klienten gewinnen. Um diese auch wirklich im Netz abzuholen und für eine langfristige Beratung zu motivieren, braucht es allerdings die richtigen Mittel und eine gute Strategie. Online-Beratung kann eine Face-to-face-Beratung zwar nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen und Ratsuchende erreichen, die sich sonst nicht „trauen“ würden.

Beratungsstellen auf Facebook & Co.

Um Social Media kommt keiner drumrum – ob man will oder nicht. Selbst wenn ich kein Mitglied bei Facebook bin, so ist es gut möglich, dass dort Fotos von mir kursieren. Und ohne registriert zu sein, kann ich deren Verbreitung nicht einmal kontrollieren. Also lieber gleich selbst mitmischen;)

Auch Unternehmen und Organisationen aus allen Branchen strömen mittlerweile in die sozialen Netzwerke, um für ihre Produkte und Kampagnen die Werbetrommel zu schlagen. Der Vorteil der Social Media: Sie sind kostengünstig und erreichen die Zielgruppe praktisch jederzeit und überall. Ich kann einen Markenturnschuh genauso „liken“, wie meine Lieblingsband oder einen Kommentar eines Freundes. Diese persönliche Ebene macht Facebook & Co als Werbeplattform so interessant.

So nutzen auch immer mehr Online-Beratungsstellen Social Media, um ihre Klientel zu erreichen. Naturgemäß ist es aber nicht für alle Angebote gleichermaßen sinnvoll, in sozialen Netzen aktiv zu werden. Beispielsweise werden Angebote, die sich an ältere oder generell wenig internetaffine Menschen richten, durch eine Seite auf Facebook kaum mehr Klienten ansprechen. Für alle anderen kann dies allerdings sinnvoll sein.

Aber auch wenn die Einrichtung einer Facebook-Seite prinzipiell für jeden kostenlos ist, muss ein Zeitaufwand für die Pflege des Auftritts eingeplant werden. Denn Interaktion und Schnelllebigkeit sind das A und O in den Netzwerken und eine allzu statische Seite wird kaum Fans gewinnen.

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, wie Beratungsstellen Social Media für sich nutzen können, lesen Sie den Artikel „Welt 2.0“ von Sascha Dinse in der Zeitschrift „Soziale Psychiatrie“.

Wird Facebook sozial? – Suizidprävention über’s soziale Netz

Mit einer aktuellen Neuerung tut das umstrittene Netzwerk diesmal zumindest etwas Gutes für seine Mitglieder. Allerdings bisher nur in Kanada und den USA.

Wie welt.de berichtet, hat Facebook in Zusammenarbeit mit der Nationalen Suizidprävention Lifeline eine Funktion entwickelt, die es Facebook-Freunden einfacher macht, auf Selbstmorddrohungen zu reagieren. Wenn ein Freund einen Verdacht meldet, wird dem Suizidgefährdeten automatisch eine E-Mail mit einer Notfall-Hotline und einem Link zu einem Beratungschat geschickt.

In Deutschland gibt es diese Funktion bisher noch nicht. Hier finden Freunde  lediglich Links zu entsprechenden Organisationen und ein Formular, mit dem man sich in einem solchen Fall an Facebook wenden kann. Die neue Funktion wäre deshalb auch hier wünschenswert, da sie ganz unkompliziert konkrete Hilfe für Suizidgefährdete anbietet. Und: Auch für die oft nur flüchtig bekannten Facebook-Freunde wird durch die komfortable Funktion die Hemmschwelle niedriger, Drohungen zu melden. Denn leider werden Suiziddrohungen in sozialen Netzen noch viel zu häufig ignoriert.

Was macht eigentlich StudiVZ?

Alle reden von Facebook und Google+, aber was ist eigentlich mit dem guten alten StudiVZ? Die Nutzer verlassen das Netzwerk wie die sprichwörtlichen Ratten das sinkende Schiff und entern die moderneren Versionen. Aus Faulheit bleiben viele aber als Karteileichen zurück. Auch bei mir ist das ähnlich. Studi benutze ich nur noch für die Kommunikation mit Freunden, die noch nicht bei Facebook sind – und das werden immer weniger.

Auch wenn medial von allen Seiten auf Facebook eingedroschen wird (meist zu Recht!), irgendetwas scheint es ja richtig zu machen… oder studi falsch. Denn StudiVZ hatte, als Facebook zu uns rüberschwappte, sehr wohl eine Chance, seine Nutzer zum Bleiben zu bewegen. Denn die meisten führten zunächst parallel ein Profil auf beiden Netzwerken. Ich persönlich schätze studi nach wie vor wegen weniger (offensichtlichem) Datensammeln und mehr Übersichtlichkeit. Doch jetzt, wo auch die letzten meiner Freunde zu Facebook übergesiedelt sind, habe ich mehr und mehr das Gefühl bei StudiVZ Selbstgespräche zu führen. Auch VZ-Geschäftsführer Clemens Riedl gesteht ein, dass die Rückholung von ehemaligen Nutzern aussichtslos ist.

„Wir glauben nicht, dass die Nutzer von Facebook zurückkommen. Wir müssen uns auf die konzentrieren, die noch da sind.”

Deshalb wollen sich die Netzwerke – denn genau genommen sind neben studivz ja auch noch meinvz und schülervz betroffen – künftig eine Nische suchen, die die Konkurrenz noch nicht besetzt hat. Diese Nischenpolitik hat studi aber schon einmal verfolgt und mündete in der Aufsplittung von studi in die drei Netzwerke. Was sich nicht bewährt hat – wie man heute sieht.

Konsequent und professionell umgesetzt, könnte dies aber tatsächlich funktionieren. Doch was das Unternehmen bisher von seinen Neuerungen verraten hat und was man momentan selbst im Netzwerk testen kann, zeigt wenig Innovation (jeder User kann zur Zeit zwischen alter und neuer Version wechseln). Farblich  wurde von orange in sterileres weiß-rot gewechselt, Gruppen heißen nun Themen. Auffällt, dass studi sich an mehr Interaktion à la Facebook versucht, so bekommt man interessante Themen und Personen vorgeschlagen und es gibt einen Gruppenchat.

Ob sich SudiVZ neu positionieren kann, wird sich zeigen. Facebook hat aber einige klare Vorteile: innovative Technik und Internationalität. Zwar empfinde ich die ständigen technischen Neuerungen als eher störend…  die Internationalität ist aber der Grund, weshalb ich überhaupt zu Facebook gewechselt habe: Ich kann mit Menschen aus aller Welt Kontakt halten und sogar spontan mit Freunden aus Kenia auf Kiswahili chatten.

Trotz allem hat StudiVZ einen klaren Vorteil, den es zu nutzen gilt. Das schlechte Image von Facebook dank freizügiger Datenweitergabe. Der Konkurrent gerät momentan mehr und mehr in’s Fadenkreuz von Datenschützern, muss sich vor Gericht verantworten und viele Nutzer sind zumindest etwas vorsichtiger geworden. Wenn StudiVZ es schafft, sich ein Anti-Datenverkauf-Image zuzulegen statt auf die plumpe und nicht erfolgversprechende Nachmache von Facebook zu setzen, hätte es reelle Chancen, neue, skeptische Mitglieder anzuwerben oder gar zurückzuholen.

Und noch etwas zum Schmunzeln: Angesichts der aktuellen Facebook-Kontroverse wirkt ein Artikel der taz von 2007 über das böse StudiVZ und seine Gefahren unfreiwillig komisch: Vom StalkerVZ zum StasiVZ

Ab in die…Klout!

Ich bin vor einer Weile über ein sehr interessantes Tool zum Messen des eigenen Einflusses im Web2.0 gestoßen. In Anlehnung an die allgegenwärtige “Cloud”-Idee (Informationen werden nicht mehr lokal, sondern online in einer Art Datenwolke gespeichert) nennt sich der Dienst “Klout”.

Klout versucht, aus den Interaktionen in verschiedenen Social Networks zu berechnen, wie einflussreich man ist. Dazu verknüpft man die eigenen Netzwerke mit dem Dienst und dieser wertet dann die Daten aus. Natürlich ist der Klout-Score ein höchst abstrakter Wert, aber man gewinnt schon einen Einblick in die Auswirkungen der eigenen Tätigkeiten im Sozialen Netz. Wenn ich sehr aktiv bin, in twitter, facebook, tumblr, youtube oder linkedin viel feedback erhalte, steigt meine Punktzahl sichtbar. Dabei wird freilich nicht die Qualität der Interaktionen bewertet, sondern nur deren Frequenz.

Für das Business-Netzwerk LinkedIn gibt es eine ähnlich interessante Anwendung, die die persönlichen Verknüpfungen innerhalb dieses Netzwerkes visualisiert. Das hier ist meine persönliche LinkedIn-Cloud. Die Farben stellen die verschiedenen beruflichen Bereiche dar, die ich in LinkedIn angegeben habe. Beim Hereinzoomen werden auch die Namen der entsprechenden Kontakt dargestellt.

Auch wenn derartige Visualisierungen oder Berechnungen beileibe nicht wirklich darstellen (können), wie die Kommunikation im Web2.0 funktioniert, geben Sie dennoch einen Einblick in das, was landläufig als “Vernetzung” bezeichnet wird.

Und natürlich motiviert ein Dienst wie Klout dazu, noch aktiver im Social Web zu sein, damit man den eigenen Score erhöhen kann. Naja, ein wenig Online-Exhibitionismus ist halt immer auch dabei :)

Petition fordert: Datenschutz soll Standard werden

„Ich weiß wer meine Daten hat und an wen er sie weitergibt.“ Wer das behauptet, ist entweder sehr naiv, ein dreister Lügner oder ein unbelehrbarer Optimist. Bestenfalls kann man das als hoffnungsvolle Zukunftsvision auslegen. Denn die Sammlung von personenbezogenen Daten passiert jederzeit, überall und meist unauffällig.

Der momentan wohl meist getretene, weil populärste, Datenkrake ist Facebook. Aber auch andere Online- und Offline-Dienste bereichern sich an unseren Informationen. Die einen mehr, die anderen weniger. Online-Shops, Gewinnspiele, Handys slotspie.ca sind da nur die offensichtlichsten… Wer soll da eigentlich noch durchblicken? Wer weiß schon noch, wo er sich vor fünf Jahren mal angemeldet hat, um einen Hamsterkäfig zu kaufen oder bei welcher „gemeinnützigen“ Organisation er sich zur Angabe seiner Daten hat hinreißen lassen? Besonders fies sind Dienstleistungen und Produkte, die schon so voreingestellt sind, dass sie meine Daten bereits bei der ersten Anwendung sammeln und übermitteln, ohne dass ich es mitkriege – und das ist heute leider trauriger Trend…

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat diesen kriminell anmutenden Trend erkannt und eine Petition gestartet, die das „Privacy-by-Default“ Prinzip fordert. Zu Deutsch: „Privatsphäre als Standardeinstellung“. Alle Geräte und Dienstleistungen müssten demnach von Vornherein so eingestellt sein, dass so wenig Daten wie möglich abgefasst werden. Der Benutzer muss dann selbst, sofern er es wünscht, die Funktionen aktivieren, die Datenübermittlung zur Folge haben. „Mühsam“ meinen manche, doch von dieser Regelung profitieren besonders die, die sich wenig mit Technik auskennen (wollen), meint auch vzbv-Vorstand Gerd Billen:

„Die Kontrolle über persönliche Daten darf kein Expertenprivileg sein”.

Gerade Kinder und Jugendliche sowie behinderte und ältere Menschen, die die Konsequenzen ihres Handelns schlecht einschätzen können, wären Gewinner dieser datenschutzfreundlichen Voreinstellungen. Aber selbst Technik-Experten bemängeln häufig die versteckten Sicherheitseinstellungen (z.B. das endgültige Löschen eines Facebook-Accounts). So profitieren am Ende alle:

„Viele Menschen verfügen nicht über die Fähigkeiten oder die (zeitlichen) Ressourcen, sich intensiv mit diesen Fragen (Anm.: Sicherheitseinstellungen) auseinander zu setzen.“ (Auszug Petitionstext)

Die Forderung des vzbv sieht auch die automatische Löschung inaktiver Benutzer-Accounts vor. Zwar vergisst das Netz nie, wie man so schön sagt, doch Löschen ist wohl immer noch die effektivste Eindämmung von Datendiebstahl – mal abgesehen von der (Un)Möglichkeit, seine Daten erst gar nicht preiszugeben.

Noch bis zum 4. Dezember können Sie die Petition unterschreiben, um das “Privacy-by-Default-Prinzip” zu unterstützen.

Eins ist schon jetzt klar: Die Unternehmen, die vom umfassenden Datensammeln profitieren, werden alles versuchen, die Umsetzung der Forderungen zu verhindern, denn gerade die technophoben und unbedarften Netznutzer sind die, die am leichtesten abzuschöpfen sind.

Doch es geht ja nicht darum, dass überhaupt keine Daten mehr weitergegeben werden (dann sollte man sich lieber vom Internet und der heutigen Welt verabschieden), sondern dass die Übermittlung transparenter wird und man eines Tages vielleicht wirklich sagen kann: „Ich weiß wer meine Daten hat und an wen er sie weitergibt.“

Nur naiv, oder doch verrückt?

Eine Warnung vorweg: der folgende Artikel könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.
Realitätsfremde Ideen im Hinblick auf das Internet und die Überwachung seiner Nutzer sind ganz offensichtlich nicht nur Steckenpferd deutscher Politiker, auch die Italiener teilen aus. Hier wird ein Ruf nach einer weitreichenden, nein, eher allumfassenden Überwachung des Internetdatenverkehrs laut, zu deren Durchsetzung eine virtuelle Blackbox eingesetzt werden soll, die zunächst erst mal alles speichert und im Fall des Falles geöffnet werden kann, um die Protokolle einzusehen. Natürlich, als Grund für derartige Spionagephantasien muss wieder Pädophilie herhalten.

Hierbei sollen die “Surfbewegungen sämtlicher EU-Bürger” überwacht werden, schreibt SpOn im Artikel. Na, kleine Brötchen backt Herr Motti hier wahrlich nicht. Naivität und eine gewissen Entfernung von der Realität muss er sich aber gefallen lassen, wird er doch mit den Worten:

“Wie eine Black Box in einem Flugzeug nur nach einem Unfall geöffnet wird, würden auch die von Logbox aufgezeichneten Daten nur im Falle wirklicher Notwendigkeit entschlüsselt.”

zitiert. Und, um dem Ganzen die Krone des Unsinns aufzusetzen, müsste auf jedem (!) Gerät mit Internetzugang eine Software installiert werden, die die entsprechenden Daten mitliest und speichert, so der Vorschlag von Herrn Motti. Und wir regen uns über den Staatstrojaner auf…wenn dieser schon Funktionen besitzt, von denen die Behörden nicht einmal wussten, dann ist schwerlich anzunehmen, dass Strafverfolgungsbehörden nur in Einzelfällen auf solche Daten zugreifen würden (Stichwort: “wirkliche Notwendigkeit”).

“Wir wollen die anständigen Bürger in der EU schützen”

heißt es weiter. Ja, is´klar. Klingt ein wenig nach der Bild-Zeitung, die gern mal Straftätern und anderen auf die schiefe Bahn Geratenen (gern auch Verdächtigen, deren Schuld in keinster Weise bewiesen ist), diverse Grund-, Bürger- und wahlweise auch Menschenrechte aberkennen und sie pauschal zu Monstern erklären. Wie anständig kann es bitte sein, tiefgreifend in die Privatsphäre aller (!) Bürger der EU (das sind mit ca. 500 Millionen ja auch lächerlich wenige, verglichen mit facebooks Nutzerzahlen) eingreifen zu wollen, um in Fällen “wirklicher Notwendigkeit” eingreifen zu können. Solche eine pauschale Datenspeicherung wird facebook & Co. vorgeworfen und plötzlich soll genau dasselbe zum Schutz der Bürger sinnvoll sein?

Mal ganz abgesehen davon, dass es wahrscheinlich nicht einmal einen Tag dauern würde, bis findige Aktivisten einen Hack für die Schnüffelsoftware entwickelt hätten…

Die spinnen, die Rö…ähhh, Italiener.

Türkei vermarktet Internetzensur in Paketen

Ab Ende diesen Jahres sollen türkische Bürger nun die Wahl haben zwischen drei verschiedenen Internetpaketen: „Kinder“, „Familie“ oder „Grundpaket“. Wobei das Wort „Wahl“ hier eher als die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera zu verstehen ist. Denn, wie die taz berichtet, plant die AK-Partei um Regierungschef Erdogan, ein leicht abgewandeltes Paketangebot umzusetzen, das im Mai bereits heftige Proteste mit dem Slogan „Don‘t touch my internet“ auslöste.

Die drei Pakete sollen laut türkischer Regierung Familien und Kinder vor pornografischen oder anderen anrüchigen Internetinhalten schützen. Entsprechend einer Liste sind Teile oder ganze Webseiten im Voraus für die Anwender gesperrt – zumindest im Kinder- und Familienpaket. Das Grundpaket soll entgegen anfänglicher Pläne aber erst einmal unzensiert bleiben. Wie lange das so bleibt, ist fraglich. Denn bereits jetzt werden immer wieder regierungskritische Youtube-Inhalte oder Bloggerplattformen gesperrt. Der Internetnutzer bekommt dann eine schlichte Fehlermeldung.

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2 Klicks für den Datenschutz

Ob Facebook-Daumen, Twitter-Vögelchen oder Googles +1… Die kleinen Buttons sozialer Netzwerke finden sich mittlerweile auf fast jeder Website im Internet, die hip und interaktiv daherkommen will. Sie laden dazu ein, seine Meinung über den Inhalt einer Seite, einen Zeitungsartikel oder ein peinliches Promi-Foto beispielsweise,  mit anderen zu teilen. Doch bisher wissen wohl nur die wenigsten, was diese unscheinbaren Symbole heimlich eigentlich noch so alles tun.

Dieses Wissen ist besonders für die interessant, die bisher dachten „Wenn ich nicht bei Facebook mitmache, kann es mir auch keine Daten klauen“. Weit gefehlt! Denn, wie heise online und taz.de berichten, übermittelt eine Website, die die Buttons eingebettet hat, schon beim Laden der Seite Informationen an Facebook & Co – egal ob Sie auf den Button klicken oder überhaupt dort Mitglied sind. Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert mahnt  im Gespräch mit der taz:

“Jeder Klick auf einer Seite, wie lange ich darauf bin, für was ich mich interessiere, kann Facebook nachvollziehen”

Wie das technisch genau von statten geht, können Sie hier nachlesen und was Facebook offiziell dazu sagt, hier.

Spätestens damit ist klar, dass man nicht selbst in der Hand hat, was für Daten man an soziale Netzwerke preisgibt, es sei denn man meidet den Besuch solcher Internetseiten. Dann kann man aber auch gleich den Stecker ziehen… Die heimliche Datenabfassung dient, wer hätte das gedacht, Facebook selbst und den Partnerseiten, indem sie Informationen über User sammeln können. Und je mehr Daten über die Zeit zusammenkommen, desto leichter lassen sich umfassende User-Profile erstellen. Inwieweit die so erfassten Daten für Facebook tatsächlich nützlich oder gar einer bestimmtem Person zuzuordnen sind, ist allerdings nicht ganz klar. Fest steht aber, dass – vom Nutzer unkontrollierbar – Daten übermittelt werden.

Eine kleine Avantgarde von Webseitenbetreibern wehrt sich aber bereits gegen die automatische Datenerfassung der kleinen Buttons. Allen voran heise online. Die haben nämlich harmlose Buttons entwickelt, die der User erst anklicken muss, damit sie aktiv werden. Das heißt, der User bestimmt selbst, ob Daten an Dritte übermittelt werden sollen – ohne seine Erlaubnis passiert gar nichts. Das 2-Klick-Modell ist frei verfügbar und jede Website kann es bei sich einbinden.

Die ideale Kombination, um seinen Usern Datensicherheit zu garantieren, ohne gleichzeitig auf die Vernetzung mit Facebook & Co verzichten zu müssen!